IM ZENTRUM

" Sardinia non è solo mare!"

Diesen Satz sollte jeder beherzigen, der das ursprüngliche Sardinien fernab vom Badetourismus kennenlernen möchte. Im Landesinneren leben viele Sarden noch wie Generationen zuvor von der Landwirtschaft und ihren Viehherden. Manchmal noch mit Strom aus dem Generator und Wasser, das in Kanistern von der nächsten Quelle geholt wird.

Über Jahrtausende war die Insel ein begehrter , zentraler Ausgangpunkt im westlichen Mittelmeer. Sie wurde von unzähligen Eroberern überrannt. Die Ankömmlinge nutzten vor allem die Küsten um aus der Schifffahrt nutzen zu ziehen. Die Einwohner zogen sich immer mehr ins unwirtliche Hinterland zurück, wo sie als Hirten einigemaßen unbehelligt von den Eindringlingen leben konnten.
Viele von ihnen hatten ein zwangsläufig distanziertes Verhältnis zur Küste, sagt doch ein altes Sprichwort:" Wer über´s Meer kommt ist ein Räuber!"
Die Zeiten der Invasoren und Piraten sind vorbei und die Sarden haben gemerkt wie wertvoll ihre wunderschönen Strände im Zeitalter des Tourismus geworden sind. Doch wieder droht eine Gefahr die über's Meer kommt. Als italienische Region muß Sardinien mit ansehen, wie immer mehr Investoren vom" Kontinent" (so nennt man Italien) sich auf der Insel einkaufen und vom Tourismusboom  und allem was sonst Kapitalertrag verspricht profitieren.

Die meisten Sarden sind Patrioten und legen Wert auf die Feststellung:
 "Sardinna no est Italia!"  (Sardinien ist nicht Italien)

Man distanziert sich von der Staatspolitik und den sonstigen Eigenheiten der Italiener.
Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel:  man fährt bevorzugt FIAT um die "heimische Wirtschaft" zu unterstüzen. Jeder hat natürlich (neben Cagliari) seinen Lieblings-Fußballclub am Festland und wenn die "Squadra Azzurra" oder in der Formel 1 - Ferrari gewinnt, ist das Volk völlig aus dem Häuschen...





Wer hätte das gedacht?

im Gennargentu-Gebirge gibt es sogar einen Skilift...



...am Bruncu Spina, den zweithöchsten Berg Sardiniens mit 1829 m.
 Die Punta la Marmora, mit 1834 m höchster Berg, ist von dort zu Fuß in            ca. 1 Std zu erreichen.




Irgendwo in der Barbaggia (= Land der Bärtigen)






nördliche Barbaggia




Murales,
die sozialkritischen und politischen Wandmalereien, sind in vielen Orten im Zentrum zu sehen. Besonders bekannt, die im "Gesetzlosen-Dorf" Orgosolo.
Dort sollte in den 70ern ein Nato Truppenübungsplatz entstehen, wurde aber Dank dem militanten Widerstand der Bevölkerung nicht durchgesetzt.







Aufstieg zum Monte Tiscali, dem hohlen Berg.

Praktisch überhaupt nicht beschildert, soll wohl ein Geheimtipp bleiben...



...im zweiten Anlauf haben wir ihn dann doch gefunden. Überwältigend dieser einst bewohnte, fast kreisrunde Krater mit ca. 60 m Durchmesser.  Früher sogar eine komplette Höhle, bevor die Decke durch Erdbeben einstürzte...



...sardische Ureinwohner hatten sich auf der Flucht vor den Römern hierher zurückgezogen, konnten römische Patrouillen zwar aus den Bergen fernhalten, hatten aber keine Weideflächen mehr für ihr Vieh. Und so ging es letztendlich doch"bergab" mit der Ära der Nuraghier auf Sardinien.


Ein alltägliches Bild im Landesinneren:
große Schafherden ziehen von einer kargen Weide zur Nächsten.