SARDINIEN


Wenn ich etwas über Sardinien erzählen will, weiß ich erst mal nicht wo ich anfangen soll, gerate dann in´s Schwärmen und kann am Ende nicht mehr aufhören. Das möchte ich euch in diesem Ausmaß nicht antun, zumal die Geschichte der zahlreichen  Eroberer auf Sardinien sehr umfangreich ist.


Hier findet ihr alle wichtigen Informationen über Geografie, Geschichte, etc


                                                         



   


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Nachdem wir einzeln und später gemeinsam, viele Regionen Europas bereist hatten, sollte unsere Hochzeitsreise 1998 etwas besonderes sein. Klar war auch, ohne Motorrad geht´s nicht.

Ich bekam einen alten Italien-Reiseführer in die Finger  und ein Foto hat mich sofort fasziniert.  Ein Turm auf einer Felsinsel umgeben von türkisfarbenen Meer. "Sardinien"
 Unser Reiseziel stand fest, wir wußten damals nur noch nicht, daß diese Insel aus unserem späterem Leben einfach  nicht mehr weg zu denken war.

                                       
                                                                    


Ende August ging es dann zum ersten mal los. Auf unserer Suzuki DR650, Bj´92, machten wir uns auf den Weg nach Livorno. Dort setzten wir mit der Nachtfähre nach Golfo Aranci über. Unser Gepäck: 2 Motorradkoffer und eine Gepäckrolle. Wenn man bedenkt wie viel Platz man für Zelt, Isomatten, Schlafsäcke, Kocher, Geschirr etc. braucht, war für großartige Garderobe kein Platz mehr. Ein paar T-Shirts, kurze Hose und Badesachen, das war´s.






Alles kein Problem, denn Not macht erfinderisch!







...auf jedem Campingplatz wird man fündig. Auch ohne Grill gibt´s lecker Abendessen.





Wir haben in zwei Wochen die Insel fast ganz umrundet und allein auf Sardinien 2500km zurückgelegt. Es war ein Erlebnis, die unterschiedlichen Landschaften zu erkunden und trotz mangelhafter Sprachkenntnisse die Gastfreundschaft der Sarden kennen zu lernen. Für uns stand fest: "Wir kommen wieder!"

                                                                      


Die nächsten Monate hab ich mir den Kopf zerbrochen, wie man die Anreise weniger anstrengend und den Urlaub komfortabler gestalten könnte. Unser PKW ,ein Subaru Libero, war eigentlich das optimale Camp-Mobil für Anspruchslose. Die hinteren Sitzreihen zur Liegefläche umgeklappt, Fliegengitter für Tür und Schiebedach und ein paar Vorhänge anfertigen, das sollte alles kein Problem sein.

So ganz ohne Motorrad war es aber auch nicht vorstellbar, was sollten wir tun? Mit beiden Fahrzeugen zu fahren, hieße auch doppelte Benzin- und Fährkosten. Also mußte das Motorrad in´s Auto.


Mein Mann ist Motorrad-Mechaniker und als ich ihm diesen Floh in´s Ohr gesetzt hatte, war es natürlich eine große Herausforderung. Das mußte zu schaffen sein! Schnell war klar, dass es ohne größere Umbaumaßnahmen unmöglich war die DR in den Libero zu packen. Aber unsere andere Enduro, eine Honda NX250, war wesentlich kleiner und handlicher. Natürlich würde sich die geringere Leistung bemerkbar machen, aber ohne Gepäck auf den kurvenreichen Straßen Sardiniens würden wir trotzdem Spaß haben.

Nach dem Ausbau von Gabel mit Vorderrad und einer ausgeklügelten Verladetechnik hatten wit innerhalb von 15 Min. das Bike im Auto verstaut.

Das war die Lösung, wir konnten ohne großen Aufwand unser Motorrad ein und aus laden und hatten noch Platz für Tisch, Stühle und mehr Gepäck.


... von Freunden und Bekannten belächelt, ging´s mit unserem schon etwas in die Jahre gekommenen Libero, zum zweiten mal nach Sardinien.




Trotz gewaltiger Ladung und Tiefgang erreichten wir unser Ziel. 
Nun mit Sitzgelegenheiten und" festem Dach" über dem Kopf.




                                                                   

Der Urlaub war wunderschön, auch dank der Annehmlichkeiten die wir plötzlich hatten. Kaum waren wir zuhause, ging uns schon wieder die nächste Reise durch den Kopf. Wir waren vom "Sardinien-Virus" befallen. Der nächste Schritt:  Italienisch lernen! Die Sarden sind ein so liebenswertes Volk und geben sich wirklich Mühe mit der Verständigung, aber unser Wortschatz war einfach zu beschränkt. Also, Kurse bei der VHS und zu Hause pauken was rein geht.

Leider machte uns unser Subaru einen Strich durch die Urlaubsplanung. Was andere schon früher prophezeit hatten trat ein : Motorschaden.


Natürlich wollten wir unseren "Liebling" nicht gleich verschrotten. Für meinen Mann als KFZ-Meister ist eine Motorüberholung Ehrensache, aber vor dem Urlaub zu zeitaufwänding. Ein Ersatzfahrzeug mußte her, hatten wir uns doch an den"Luxus" des bequemen Reisens gewöhnt.

Diesmal half uns der Zufall, bei einem Autohändler entdeckten wir einen Libero, erst vier Jahre alt.

Die Technick des Einladens wurde verfeinert, ein Verlängerungkabel sollte für Strom und Licht am Campingplatz sorgen und einen kleinen Kühlschrank betreiben. Das sardische Bier Ichnusa schmeckt eiskalt einfach besser.
Unsere neueste Errungenschaft war aber ein Vorzelt. Aus einer Plane aus dem Baumarkt genäht und mit altem Zeltgestänge und einigen Tricks in kürzester Zeit aufgebaut. Das sollte uns vor der Sonne schützen und bei Bedarf den Regen abhalten.

Also auf zu unserem dritten Tripp nach Sardinien, mit schwerwiegenden Folgen. Dank unserer verbesserten italienisch Kenntnissen haben wir mit einer sardischen Familie Freundschaft geschlossen und die hält bis heute an.

...Regen auf Sardinien, im Sommer selten, aber dank Vorzelt kein Problem.



                                                                           

Einige Jahre funktionierte die Kombination Libero-NX250 wunderbar. Dann spielte die Gesundheit nicht mehr mit und ich durfte aus Sicherheitsgründen nicht Autofahren. Wir brauchten eine Alternative um auf der Insel von A nach B zu kommen, ohne jedesmal das Auto auszuräumen und das Motorrad umzubauen. Da hat sich der Transporter von Martin's ehemaliger Firma, ein alter GMC- Van angeboten. Zwar nicht die sparsamste Variante, aber wir konnten problemlos die DR650 einladen und hatten immer noch Platz für eine Schlafmatratze mit Moskitonetz und alles Mögliche an Zubehör. Aus Dachlatten und Plane schnell ein Vorzelt gebaut und los ging´s.



Vor allem bei der Rückreise ein riesen Platzangebot für Mitbringsel wie Pflanzenstecklinge, Mirto, Vino, Pecorino.....




                                                                     

Es kam wie es kommen mußte, Sardinien ließ uns nicht mehr los. Dazu kam, dass wir jetzt Freunde auf der Insel hatten.
Leider ist bei Martin´s Beruf wärend der Saison der Urlaub knapp und nicht immer kann man 2-3 Wochen am Stück nehmen. Für eine Woche lohnt sich die Anfahrt mit Auto und Fähre einfach nicht.
Also haben wir's mit dem Fliegen versucht. Über das Internet haben wir Flug und Mietwagen gebucht.  Man kann bei div. Anbietern auch Schnäppchen machen, aber wenn man zeitlich gebunden ist, muß man nehmen was man kriegt. Flug und Automiete kamen uns etwas günstiger als Benzin, Autobahngebühr und Fähre. Allerdings ist die Anreise viel angenehmer. Von München nach Cagliari, knapp 1.1/2 Std. Mitwagen abholen und schon ist man da.



Trotz all dem Luxus bei der Anreise war Campen angesagt. In der Nebensaison ist ein Miet-Wohnwagen ohne Probleme zu haben. Neben der Schlafmöglichkeit und dem Vordach gibt´s einen riesen Kühlschrank, Kocher, Geschirr, Kochutensilien, Strom, Tisch und Stühle für ca. 30,-€.
Wir waren auch schon im Winter unten, da hatten wir eine nette Frühstückspension mit Familienanschluß.



Sardinien ist auf jeden Fall zu jeder Jahreszeit eine Reise wert!

                                                           

                                                               

Culinarisches... unbedingt probieren!

                                                                                 

Sardinien hat so viele Leckereien zu bieten, dass wir am Ende jeder Reise einen Großeinkauf starten, um so viel wie möglich mit nach Hause zu nehmen.



Pecorino Sardo

Schafkäse von jung und mild bis reif und herzhaft. Das selbe gilt für Caprino, also Ziegenkäse.

Proscutto crudo, Salsicca & Salame

Jeder kennt Parmaschinken oder Mailänder Salami, vergesst es!  Der Crudo sardo oder die Salame sarda können locker mithalten. Die etwas gröbere Salsicca ist in dünne Scheiben geschnitten ein Genuss.

Pane Carasau

Zweifach gebackene hauchdünne Fladen, ursprünglich als haltbares Nahrungsmittel für Schafhirten gedacht, die Wochenlang davon zehren konnten. Mittlerweile gibt´s dieses Brot in fast jedem Ristorante als Coperto. Das Pane Guttiau ist noch mit Olivenöl und Salz verfeinert. Aber Vorsicht! Der Suchtfaktor ist hoch.

Mirto

Der typisch sardische Myrthelikör. Der Rosso wird aus den Beeren, der Bianco aus den Blätter gewonnen. Unbedingt eiskalt genießen. In Deutschland zaubert allein der Geruch ein Stück Sardinien ins Wohnzimmer.

Cannonau

Auf Sardinien gibt es viele gute Weine. Die Vermarktung klappt beim einen mehr, beim anderen weniger. Grundsätzlich ist im Ristorante am " Vino della Casa" nicht´s auszusetzen. Wenn´s doch mal eine Nummer besser sein soll, schwören wir auf Cannonau, meist aus der Gegend um Jerzu. Rot, trocken, kräftig und ein bisschen erdig, ist er ein ehrlicher Wein zum Essen, aber auch zum Feiern.

Porchetta

"Porkeddu arrustiu s'ispidu", Sardisch für Spanferkel am Spieß. Meist wird es im Menü angeboten. Nach sardischen Antipasti ( Pecorino, Salsicce, Crudo, Oliven) gibt es Malloreddus( sardische Nudeln in Gnocchiform) mit Tomatensoße, das Porchetta mit Stangensellerie, Fenchel oder Salat und als Dolci Sevadas= Seadas=Sebadas!? ( Ravioliartige, runde Teigtaschen mit Ricottafüllung. In Öl frittiert und mit Honig überzogen.) Die Aussprache variiert je nach Region. In der Barbaggia, wo das Gericht herstammt, ist wohl der Name Seadas gebräuchlich. Neben Wasser, Vino, und Mirto ist oft noch Frutta (Obst) und Cafè inclusive. Dieses Menue gibt es für ca. 20-25,-€  pro Person in vielen Agritourismen.


   Porchetto arrosto

                                       

Kaktusfeigen
Im Bericht " der Süden" hab ich das Ernten und die Verarbeitung der Kaktusfrüchte ausführlicher erwähnt. Sie schmecken wie eine Mischung aus Kiwi und Banane und sind auch als Marmelade und Likör unter " Fico d´india" erhältlich.
Bottarga di Mugine
Jetzt etwas für alle Fischfans. Bottarga ist der getrocknete Rogen der Meeräsche. Fein gerieben verleiht er vor allem Nudelgerichten eine "fischige" Note. Spaghetti nur mit Öl und Bottarga....lecker!